Donnerstag, 30. April 2009
Auftakt und Demonstrationsparade
ab 16 Uhr am Altstädter Markt/ Goldschmiedehaus
Krisen-Fest
ab 18 Uhr am Marktplatz mit Musik und mehr
Donnerstag, 30. April 2009
Auftakt und Demonstrationsparade
ab 16 Uhr am Altstädter Markt/ Goldschmiedehaus
Krisen-Fest
ab 18 Uhr am Marktplatz mit Musik und mehr
um 10 Uhr am Gewerkschaftshaus in Hanau, danach Demonstration und anschließendes Fest am Olof Palme Haus in Kesselstadt
http://www.region-suedosthessen.dgb.de
Das Hanauer Sozialforum trifft sich alle drei Monate.
Das nächste Treffen findet am Dienstag, 9.6.2009 um 19:30 Uhr im DGB-Jugendheim statt.
http://www.sf-hanau.linksnavigator.de/
und: warum trotzdem gerade überhaupt keine schlechte Laune aufkommen will.
Ein Desaster jagte an diesem Tag das nächste. Um Punkt 16 Uhr, pünktlich zum Auftakt am Hanauer Hauptbahnhof stieg eine kleine Rauchwolke auf und die Musikanlage kapitulierte vor einer Stromspitze des Generators. So kamen wir zu der zweifelhaften Ehre, nicht nur die mit zweistelliger Zahl von Teilnehmenden sicherlich wirklich kleinste Parade, sondern auch noch die einzigen zu sein, bei denen DGB und IG Metall (mit einem Megaphon-Notdienst) als rettende Engel auftraten. Improvisationstalent pur ermöglichte es jedenfalls, dass wir nicht nur doch noch eine Stimme hatten, sondern tatsächlich auch das Fest am Marktplatz noch hätten bespielen können, dank einer Blumenverkäuferin mit Steckdose und einigen Stunts verschiedener AlltagsheldInnen. „Hätten können“ – hätte es nicht direkt beim Ankommen begonnen wie aus Eimern zu schütten. Was verschiedene Hip-Hop-Kombos nicht abhalten konnte, erst recht gegen das Wetter anzurappen. Viele Ideen fielen ins Wasser – so auch die große Glücksrad-Show, mit der Mandy, Heinz, Irina, Fanus, Harald, Marie-Lousie und ein paar andere HeldInnen des Alltags sich hätten vorstellen sollen. Der 30.4.2008 war irgendwie kein glänzender Meilenstein. Und trotzdem: es kam keine resignierte Stimmung auf. Schon garnicht in den nächsten Tagen, beim Lesen und Anschauen der Meldungen von all den anderen Mayday-Schauplätzen.
Den Meldungen aus Hamburg von den dortigen Aktivitäten gegen den Naziaufmarsch am 1.Mai lässt sich entnehmen, dass die Bullen mit ihrem Konzept gnadenlos untergegangen sind. All ihre Katastrophenübungen zur „Crowd-Control“ haben daran offensichtlich nichts ändern können. Die dortigen Mayday-Aktiven haben das einzig denkbare getan und sind mit Inhalt und dem üblichen Charme ausgeschwärmt. Hinein in eine Auseinandersetzung in der einiges ritualisiert ausgesehen haben mag. Aber wo doch von außen betrachtet v. a. das Erstaunen überwiegt, dass sich da offensichtlich mit unterschiedlichsten Mitteln tatsächlich solidarisch miteinander widersetzt wurde. Wer hätte das noch vor wenigen Jahren für möglich gehalten?
Begeistert haben wir beobachtet, wie in Mailand zum ersten Mal selbstorganisierte MigrantInnen die Spitze der Euromayday-Parade bildeten. In direktem gegenseitigem Bezug zu den großen migrantischen Mayday-Protesten in den USA, hebt das den gesamten (im vergangenen Jahr schon fast zum erliegen gekommenen)Vernetzungsprozess rund um Prekarisierung auf eine neue Stufe.
In Mini-Mini versuchten wir in unserem Hanauer Mikrokosmos daran anzuknüpfen.
Es ist eher der Wischmop als der Laptop, der die prekären Lebensverhältnisse in der Hanauer Innenstadt widerspiegelt. Und daraus ergaben sich dann auch die Schwerpunkte des gesprochenen: es ging gegen Abschiebung und für das Recht zu bleiben; gegen die AQA (das kommunale Pendant zur ARGE) und die 1-Euro-Jobs; gegen die auf dem Weg liegenden Leiharbeitsfirmen (Adecco war mit Farbe bereits markiert); DIDF brachte die Kriminalisierung migrantischer Jugendlicher im hessischen Wahlkampf zur Sprache. Und immer wieder applaudierten Leute dazu vom Straßenrand oder hupten zustimmend aus dem Auto. Flugblätter wollten jedenfalls viele mitnehmen.
Ein paar Pinguine gegen den Klimawandel repräsentierten, was als Schwerpunkt ansonsten eher unterbelichtet blieb. Die Staudinger BI gegen den Ausbau des hiesigen Kohlekraftwerks hatte sich an der Vorbereitung mit einzelnen beteiligt. Jedoch bleibt die Klammer zwischen den sozialen und ökologischen Fragen eine Schwachstelle. Während sich zugleich am nächsten Tag auf der hiesigen 1.Mai-Kundgebung des DGB zeigte, dass hier ein Haufen Konfliktpotential schlummert. So pfiffen Verdi und die Staudinger Belegschaft für den Bau von Block6 und den Erhalt ihrer Arbeitsplätze die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti aus, die quasi „auf feindlichem Boden“ (denn der hiesigen Kreis-SPD steht sie eindeutig zu weit links) einen Linkskurs der hessischen SPD – und ihr Eintreten für den Ausbaustop verteidigte. Soviel zum lokalen Getümmel drum herum.
In einer Grußbotschaft aus Mailand, geschrieben kurz vor der wieder größten und eindrucksvollsten Parade war vom „langen Mayday“ die Rede. In diesem Kontext war dieser erneute Mayday-Versuch hier in Hanau sicherlich wenig spektakulär. Aber in vielen kleinen Situationen wurde auch im Lokalen die Richtung einer Reise spürbar, die ja nicht an einem Tag stattfindet und dann bis zum nächsten Jahr eingemottet wird.
Im Vorfeld gab es eine kleine Veranstaltung, mit 30 Leuten für Hanauer Verhältnisse nicht schlecht besucht. Eingebettet in eine Reihe rund um globale soziale Rechte wurden die Widersprüche zwischen gewerkschaftlichen Mindestlohndebatten und Bewegungsfreiheit der MigrantInnen diskutiert. Die Diskussion blieb an vielen Stellen an der Oberfläche und doch war eine veränderte Stimmung spürbar. Gegenseitiges ernst nehmen, auch der eigenen Widersprüche, bestimmte den Abend.
Am Wochenende zuvor waren wir in Marburg und haben mit denen überlegt wie es weitergeht, die als Interventionistische Linke (IL) beim G8-Gipfel in Heiligendamm versuchten in genau dieser Stimmung neue Formen der Intervention zu probieren. Wir sind nicht Teil der IL. Aber wir sehen mit Sympathie diesen Wandel in Fragen der Bündnispolitik. Und hoffen auf die Umsetzung eines gemeinsamen Fahrplans für die kommenden Monate:
Auf gemeinsames Doppelcamping gegen Frontex und den Abschiebeflughafen in Hamburg. Und gegen eine Klimapolitik, die nicht begreifen will, dass ein ganz anderes Klima nötig ist. Eines das nein sagt, zu Ausgrenzung und „Gegeneinander-Ausspielen“. Dafür stehen die parallel und hoffentlich auf einem Platz stattfindenden Camps zu Antirassismus und Klima.
Im Frühjahr 2009 wird es voraussichtlich in Strasbourg Feierlichkeiten anlässlich 60-Jahre-NATO geben. Eine Mobilisierung gegen Militarisierung und Sicherheitswahn, die sich anbietet, einen weiteren Punkt zu setzten vor dem G8, der im kommenden Jahr wieder in Italien stattfindet.
Und wir schauen mit großem Interesse nach Spanien, wo die sozialen Fragen mittlerweile viel stärker in Verbindung mit den sozialen Zentren als realen Orten des Zusammenkommens weiterentwickelt werden. Und darin immer neu die Fragen im Raum stehen, wie sich die extrem zersplitterten sozialen Realitäten aufeinander beziehen lassen. Dafür finden sich im Augenblick unzählige Versuche von militanten Untersuchungen und aktivierenden Befragungen. Von der Entwicklung gemeinsamer Debatten um die großen und kleinen Forderungen nach dem was wir als „Globale soziale Rechte“ begreifen.
„Wenn ihr Rosen wollt, müsst ihr darum kämpfen.“ sagt ein Organizer der Putzkräfte in dem in den Details beeindruckenden Film „Bread and Roses“, aus dem wir der Veranstaltung zu Mindestlohn und Migration Ausschnitte voranstellten. Und stößt dabei immer wieder an die Grenzen unterschiedlicher Realitäten und Bedürfnisse und reibt sich an der Kluft die entsteht, wenn man die Stimme für andere erhebt. Nach dem individuellen „Mir reichts… nicht“ fragten deshalb Hamburger und Berliner Mayday-AktivistInnen gemeinsam bei Beschäftigten auf der Kasseler Dokumenta und der Berlinale. Und auch die Hanauer AlltagsheldInnen erzählen ja ganz individuelle Geschichten des Widersetzens.
EuroMayday bleibt ein Abbild prekärer Lebensverhältnisse in all ihrer Zersplitterung. Wir bleiben auf der Suche und schwärmen weiter aus. Global im Wissen, dass die Welt größer ist als der lokale Mikrokosmos und den Wind nur die spüren, die die Nase hochhalten. Lokal weil sich an der Sisyphos-Arbeit des alltäglichen erst messen lässt, was dahinter steckt.
Mir durchaus begrenzten Ressourcen, aber mit dem Wissen, dass es die verschiedenen Schienen braucht.
Unser Wunsch ist jedenfalls im nächsten Jahr weiterzumachen – und vielleicht das Marktplatzfest zum Ort des Zusammenkommens zu machen, mehr noch als die Parade. Und im Anschluss durchzustarten zu einer Stippvisite in Mailand – hoffentlich mit einer bunten Reisegruppe. Beim „langen Mayday“ bleibt unterdessen viel zu tun.
Und hoffentlich ergeben sich Gelegenheiten die Notwendigkeiten gemeinsam zu untersuchen – sei es im lokalen, wo wir uns wünschen würden das Sozialforum neu zu beleben, auf den Camps in Hamburg, die im Doppelpack ja auch für diesen Lernprozess stehen werden oder auf europäischer Ebene bei einem nächsten Treffen des Euromayday-Netzwerks.
glocal group hanau
Bilder vom Hanauer Mini-Mayday findet Ihr hier:
http://mayday.linksnavigator.de
Eindrücke von anderswo:
Euromayday in Hamburg schwärmt aus - um den Naziaufmarsch in Barmbek zu verhindern (im zweiten Video des Nachmittags in Barmbek):
http://www.feuerloescher-tv.com
Fotos vom Euromayday in Mailand:
http://lombardia.indymedia.org/?q=node/5778
http://lombardia.indymedia.org/?q=node/5779
http://lombardia.indymedia.org/?q=node/5780
Fotogalerie vom Euromayday-Protest zur Karlspreis-Verleihung in Aachen:
Bericht auf deutsch und weitere Fotos:
http://www.antifa-dueren.org/cms/content/view/164/28/
Jeweils über 1000 beim Mayday-sur in Malaga:
http://estrecho.indymedia.org/newswire/display/73699/index.php
und in Terassa (bei Barcelona)
http://precarios.euromayday.org/node/63
Bericht auf englisch: http://indymedia.org.uk/en/regions/world/2008/05/398063.html
An beiden Orten spiegelt sich die Öffnung der sozialen Zentren für MigrantInnen und Prekäre in der Zusammensetzung der Parade.