Krisen-Fest --- Mayday 2009

Donnerstag, 30. April 2009
Auftakt und Demonstrationsparade
ab 16 Uhr am Altstädter Markt/ Goldschmiedehaus

Krisen-Fest
ab 18 Uhr am Marktplatz mit Musik und mehr

1. Mai 2009 - Kundgebung

um 10 Uhr am Gewerkschaftshaus in Hanau, danach Demonstration und anschließendes Fest am Olof Palme Haus in Kesselstadt
http://www.region-suedosthessen.dgb.de

Sozialforum Hanau

Das Hanauer Sozialforum trifft sich alle drei Monate.
Das nächste Treffen findet am Dienstag, 9.6.2009 um 19:30 Uhr im DGB-Jugendheim statt.
http://www.sf-hanau.linksnavigator.de/

Wer das Klima retten will, darf vom Kapitalismus nicht schweigen

Einer der Schwerpunkte der diesjährigen Hanauer Mayday-Parade: der drohenden Klimawandel nicht nur als Ausdruck der sich zuspitzenden ökologischen Krise, sondern auch als Resultat einer profitorientierten Energiepolitik.

Die CO2-Megaschleuder Block 6 des Eon-Kraftwerks Staudinger verhindern

Der moderne Mensch, der es sich in einer kühlen Nacht vor seinem Gas- oder Stromzähler gemütlich macht, kann dabei zusehen, wie er Zählwerkssprung für Zählwerkssprung ärmer und der am anderen Ende der Leitung befindliche Energiekonzern reicher wird, wie er horrende Mengenrabatte für die industriellen Großverbraucher mit seinem Haushaltstarif mitsubventioniert; er kann sich gut ausmalen, wie Klimagase und Profite einer hochzentralisierten Energiewirtschaft gen Himmel steigen und sich die fossilen Lagerstätten tief in der Erdkruste Zug um Zug leeren.
Die grundlegende Bedeutung der Energiewirtschaft für den globalen Siegeszug des Kapitalismus und ihre dunkle Seite, die Jahr für Jahr näher rückende Klimakatastrophe, erschließen sich jedoch nicht durch den Blick in den häuslichen Zählerschrank.
Sechs Jahre lang arbeiteten über 600 Wissenschaftler unter Leitung des UN-Klimarats an der Erstellung des 4. UN-Weltklimareports, dessen 3. Teil vor einem Jahr, im Mai 2007, vorgestellt wurde. Über 20 Klimamodelle wurden dazu an Supercomputern parallel durchgerechnet. Die so gewonnenen Erkenntnisse stützen die düstere Einschätzung des Schriftstellers Carl Amery (1922-2005), der 1999 in einem offenen Brief an Bundespräsident Roman Herzog befürchtete, dass die heutigen Generationen sich längst für den »Life-Style des dröhnenden ökonomistischen Basars« – und gegen »eine irgendwie zukunftsfähige Verhaltensweise« entschieden hätten: »Dass sie damit die eigenen Kinder und Enkel in die Hölle schicken, fällt durch den Bewusstseinsrost.«
Der UN-Klimabericht belegt, dass der Anteil der Treibhausgase in der Luft durch Industrialisierung und Autoverkehr in den vergangenen 100 Jahren stärker gestiegen ist als in den 20.000 Jahren davor. Bereits im 20. Jahrhundert hat sich die Erderwärmung beschleunigt, die Dekade 1996 bis 2005 war die wärmste seit Beginn der Messungen.
Einen globalen Temperaturanstieg von 2,0 bis 2,4 Grad Celsius hält der UN-Klimareport noch für beherrschbar und die Kosten dieser Begrenzung für finanzierbar: ganze 0,12 Prozentpunkte des jährlichen Weltwirtschaftswachstums würden dafür genügen.
Steigt die Zunahme der globalen Durchschnittstemperatur jedoch über 2,5 ° C, drohen bisher unbekannte Wetterextreme, ein für Millionen Menschen gefährlicher Anstieg des Meeresspiegels, das Aussterben von wahrscheinlich 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten und eine Welle von Klimaflüchtlingen, die mit allem Recht der Welt versuchen werden, der Klimakatastrophe im Süden zu entkommen.
All diese und viele weitere Folgen der menschengemachten Warmzeit, die auf eine natürliche draufsattelt, sind nicht erst seit dem UN-Report von 2007 bekannt. Seit 1992, dem Klimagipfel in Rio (»Agenda 21«), stolpern unsere Regierungen von einer internationalen Klimakonferenz zur nächsten, es werden bergeweise offizielle Absichtserklärungen verfasst und nationalstaatliche Klimaschutzprogramme aufgelegt – und doch dümpelt alles auf dem Niveau von Treibhauskosmetik dahin.
Die Frage drängt sich auf: Kann der globalisierte Kapitalismus überhaupt die Klimafrage lösen? Sind die Preis-, Handels-, Wirtschafts- und militärischen Kriege nicht auch von ihrem Wesen her Kriege gegen die Grund¬lagen des Lebens?
Es hat viereinhalb Milliarden Jahre gedauert, bis die Evolution die Basis für menschliches Leben auf diesem Planeten entwickelt hat – die kapitalistische Zivilisation setzt dies innerhalb von zwei Jahrhunderten aufs Spiel.
Die Entwicklung der kapitalistischen Industrie ist seit ihren Anfängen aufs Engste mit der Nutzung der fossilen Energieträger Kohle, Erdöl und -gas verknüpft. In den fossilen Energieträgern ist die biologisch umgesetzte Sonnenenergie von Jahrmillionen gespeichert. Diesen unersetzbaren Energieschatz benötigte das kapitalistische Fabrik- und Transportsystem, um den Sprung aus der statischen Wirtschaft des Mittelalters in die heutige Welt des beschleunigten, aber krisenhaften Wachstums zu schaffen. Von Anfang des 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts haben sich die jährlichen Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts in Europa trotz aller Kriseneinbrüche mehr als verzehnfacht, zugleich wächst überall die Ungleichheit – in der Einkommensverteilung, in den Lebenschancen und beim Verbrauch fossiler Energieträger.
Diese Entwicklung steuert auf eine historische Wegscheide zu: Das »Weiter so« wird die Profitwirtschaft in Krisen mit zunehmend apokalyptischer Tendenz führen, in eine Sackgasse, die letztlich zum Ende der Menschheit führen kann. Das Umsteuern auf einen anderen, alternativen Entwicklungsweg hingegen kann die Zukunft offenhalten für die Herausbildung einer neuen Zivilisation, die als solare Gemeinwirtschaft dezentrale Strukturen benötigt und daher neue Formen der direkten Produzenten- und Konsumentendemokratie entwickelt und wie ein lebendiger Organismus auszukommen lernt mit der Energie, die die Sonne täglich aufs Neue liefert.

Was das alles mit der Opposition gegen die vom Eon-Konzern geplante CO2-Megaschleuder, dem Staudinger-Block 6 in Großkrotzenburg, zu tun hat, ergibt sich von selbst. Was man hierbei selbst tun kann, weiß z. B. die Bürgerinitiative »Stopp Staudinger«. Kontakt: www.stopp-staudinger.de, Sprecher: Winfried Schwab-Posselt, Hainburg, Tel. 06182 / 782805.

Ein bei den G8-Protesten 2007 in Heiligendamm entstandener bundesweiter Zusammenhang plant im August 2008 in der Nähe des Kraftwerks Staudinger ein Klima-Camp. Näheres unter www.klimacamp.org