Donnerstag, 30. April 2009
Auftakt und Demonstrationsparade
ab 16 Uhr am Altstädter Markt/ Goldschmiedehaus
Krisen-Fest
ab 18 Uhr am Marktplatz mit Musik und mehr
Donnerstag, 30. April 2009
Auftakt und Demonstrationsparade
ab 16 Uhr am Altstädter Markt/ Goldschmiedehaus
Krisen-Fest
ab 18 Uhr am Marktplatz mit Musik und mehr
um 10 Uhr am Gewerkschaftshaus in Hanau, danach Demonstration und anschließendes Fest am Olof Palme Haus in Kesselstadt
http://www.region-suedosthessen.dgb.de
Das Hanauer Sozialforum trifft sich alle drei Monate.
Das nächste Treffen findet am Dienstag, 9.6.2009 um 19:30 Uhr im DGB-Jugendheim statt.
http://www.sf-hanau.linksnavigator.de/
Sie haben keine Radaraugen, können nicht fliegen und eigentlich trägt auch keineR von ihnen blaue enganliegende Anzüge, höchsten zu Fasching vielleicht....
Ziemlich alltäglich also und mehr oder weniger alltäglich sind auch ihre Sorgen und ihr Ärger.
Fanus, 23 Jahre alt, Flüchtling aus Äthiopien.
Fanus verließ vor 5 Jahren Äthiopien, denn zum Militär wollte er auf keinen Fall und ansonsten gab es dort auch keine Perspektiven. Er kam nach 6-monatiger Odyssee quer durch Afrika und Europa endlich in Deutschland bei seinen Bekannten in Offenbach an, doch sein Asylgesuch wurde als "offensichtlich unbegründet" abgelehnt. Zunächst "geduldet" wurde er 2007 von den Behörden in Abschiebehaft genommen: weil er sich weigerte, bei der eigenen Abschiebung mitzuwirken. 5 Polizisten schleppten ihn ins Flugzeug, er war mit Klettband gefesselt, konnte aber schreien und gab keine Ruhe. Mit Erfolg: der Pilot verweigerte den Transport und ein zweiter Abschiebeversuch wenige Monate später scheiterte ebenfalls. Passagiere hatten mitbekommen was passiert und sich geweigert sich anzuschnallen. Fanus will weiter mit allen Mitteln für sein Bleiberecht kämpfen. Mit der starken Unterstützung von Landsleuten und vielen FreundInnen wird er es sicher auch schaffen...
Marie-Louise, 73, pensionierte Lehrerin aus Bremerhaven.
Marie-Louise erinnert sich noch gerne an die „Aktion Roter Punkt“, mit der Anfang der 70er Jahre gegen Fahrpreiserhöhungen protestiert wurde. Damals wurden Busse und Straßenbahnen blockiert und mit Autos ein „alternativer Nahverkehr“ organisiert, um die Verkehrsbetriebe zur Rücknahme der Erhöhungen zu zwingen. „Heutzutage können sich wieder immer weniger ein Auto leisten - aber die Fahrpreise sind auch viel zu teuer!“ meint Marie-Louise und hat volles Verständnis z.B. für ihre 17jährige Enkelin, die für Bahn und Bus keinen Cent ausgeben möchte. Marie-Louise selbst hat einen Behindertenausweis, mit dem sie umsonst fahren kann. „Und wenn die Kontrolleure kommen, halte ich immer nach jemandem Ausschau, der vielleicht schwarz fährt und den ich als meine ‚Begleitperson' ausgeben kann – sowie es andere Leute ja auch am Wochenende mit ihrer Monatsfahrkarte machen können...“.
Klausi, 22 Jahre alt, Student, lebt von Bafög und Nebenjobs.
Klausi studiert und nimmt alles locker. Aber das Bafög reicht nicht zum Leben und muss irgendwann zurück gezahlt werden und Uni ist auch nicht alles. Klausi legt auf, super Sache, aber kein billiges Vergnügen. Die ganzen Platten kosten einiges und das Equipment erst recht. Aber das löst Klausi so ähnlich wie mit dem Bafög. Erstmal mitnehmen was geht und sich dabei nicht erwischen lassen. Tauschbörsen: ein virtueller Plattenladen, in dem es alles gibt – und zwar umsonst! Den Künstlern kann das ja wohl kaum schaden, wenn er ihre Mucke spielt. Also fehlt nur noch das nötige Equipment. Dafür kam Klausi nach der letzten Party ne Idee: es muss ja nicht immer tatsächlich passieren, dass Leute besoffen in die Anlage fallen und dann alles Schrott ist. Ein Kumpel von ihm arbeitet im Eletronikladen und der hilft dann und schreibt ne Quittung oder ne Bescheinigung für die Versicherung. Man muss halt die richtigen Leute kennen, dann geht das schon… Das ist natürlich alles nicht so einfach und Versicherungsbetrug noch dazu, aber moralische Bedenken hat Klausi nicht, denn für diese Riesen-Konzerne sind das doch Peanuts.
Mandy, 27, Alleinerziehende Mutter
Mandy ist 27, kleine Tochter, keinen Typ. Der hat sie nämlich verlassen. Also zieht sie das eben alleine durch. Geht so. Die Kohle könnte natürlich mehr sein. Aber ausgehen und mal ein paar neue Schuhe und was man eben so zum Leben braucht... dafür reichen 345 € Hartz IV-Kohle nicht. Okay, also noch ein bisschen schwarz was dazu verdienen. Aber der Typ, bei dem sie putzt – ein totales Arschloch! Und warum eigentlich für alles immer Arbeiten gehen? Warum nicht einfach mal umsonst und kostenlos sich das leisten, worauf man richtig Bock hat?
Für die kleinen Extras im Leben hat Mandy eine andere Methode entdeckt: zum Einkaufen geht sie “nicht ohne meine Tochter” und steckt sich das eine und andere in die versteckten Ablagen von Chantals Kinderwagen. Pampers sind ja sooo teuer und Süßigkeiten müssen auch mal sein. Und dann an der Kasse vorbei... ins Leben.
Harald, 43 Jahre alt, Single, seit 24 Jahren und 3 Monaten glücklicher Arbeitsloser.
Harald ist freischaffender Sozialberater. Er schöpft dabei aus der reichhaltigen Erfahrung von 25 Jahren Arbeitslosigkeit, bzw. 24 Jahre und 3 Monate. Er hat eine Allergie gegen Lohnarbeit. Und sowieso überhaupt keine Zeit zum arbeiten, weil er sich wirklich mit sinnvolleren Dingen beschäftigt. Zum Beispiel berät er im Erwerbslosen-Café die Opfer von Hartz IV, damit sie eben nicht nur Opfer sind.
Sein Fallmanager beim Regionalzentrum hat etwas Angst vor ihm, Harald hat die dickste Akte überhaupt. Für den Fall, dass man ihm doch einmal einen 1-Euro-Job aufdrängen will, hat er ein Mittel: “Lieber Krankfeiern als Gesundschuften!” Eine Magen-Darm-Grippe ist sehr leicht zu spielen, und ein Schulter-Arm-Syndrom reicht gleich für zwei Wochen “Urlaub”. Wer etwas mehr Auszeit braucht, muss dann auch ein Bisschen mehr trainieren...
Anette, 31, Frisörin aus Botropp.
Anette hat einen Freund ohne Aufenthaltsstatus. Er kam vor zwei Jahren aus Kolumbien, ist erst mal mit einem Touristenvisum eingereist. In Kolumbien gibt es viel Gewalt, und außerdem wollte er nach Deutschland zum Geldverdienen. Javier arbeitet in Frankfurt als Callboy - und verdient damit genug, um seine Familie zu Hause zu unterstützen. Als das Touristenvisum abgelaufen war, ist er einfach dageblieben. Illegal.
Jetzt sucht Anette für ihren Freund eine Heiratskandidatin für eine “Schutzehe”. (Es darf auch ein gleichgeschlechtlicher Partner sein.) Denn eine Ehe mit jemand mit deutschem Pass verschafft einen legalen Aufenthalt. Selbst will Anette ihren Freund lieber nicht heiraten. “Da kann zuviel in der Beziehung schiefgehen, und dann hätte Javier die schlechteren Karten, weil er abhängig von mir wäre.”
Irina, 57, illegale Pflegekraft aus Doneszk / Ukraine.
Irina ist eigentlich Maschinenbauingeneurin. Und Irina pflegt Oma Erna. Die will nicht ins Heim, auch wenn sie nicht mehr alles alleine kann. Irinas jüngster Sohn wünscht sich ein Motorrad. Der mittlere pflückt Erdbeeren in Andalusien. Ihre Tochter hat drei kleine Kinder und einen arbeitslosen Bergmann. Irinas Vater braucht teure Tabletten für sein Herz. Und Irina will ein Haus mit Garten auf der Krim. Sie verdient 900,- Euro im Monat bar auf die Hand für 24 Stunden Bereitschaft, 7 Tage die Woche. „Und wenn ich nach Hause komme, verteile ich.“
Irina ist nicht allein: Wohl weit über 20 Milliarden Euro werden jedes Jahr von MigrantInnen aus Deutschland in ihre Herkunftsländer gesendet. Dieses Geld fließt in den direkten Lebensunterhalt, Bildung und medizinische Versorgung. Diese Summe übersteigt den Entwicklungshilfeetat bei weitem.
Heinz, 64, herzkranker Rentner aus Frankfurt.
Heinz war bis vor 11 Jahren Elektroinstallateur, als ihn ein Herzleiden erwischte und er in Rente gehen musste. Mit seinen 900 Euro monatlich wohnt er in einer Seniorenwohnanlage. Für den Ernstfall hat er ein Notrufsystem eingerichtet, mit dem er schnell Hilfe herbeirufen kann. Eines Tages konnte er die Stromrechnung nicht mehr bezahlen, der Strom wurde abgestellt. „Und ohne Strom nutzt der schönste Notruf nichts." Erst recht nicht wenn das Konto gepfändet ist und einem der Gerichtsvollzieher und ein Inkassounternehmen im Nacken sitzen. Für ihn als Fachmann aber kein Problem: er überbrückte die Stromsperre „technisch völlig ordnungsgemäß“ und spart seither Kosten. Warum auch nicht? „Strom habe ich nötig wie Brot“ sagt Heinz, und das gilt nicht nur für ihn. Elektrizität ist lebensnotwendig geworden, unterliegt aber den ungehinderten Profitinteressen der Energiewirtschaft und deshalb werden die Preise auch ständig - mit fadenscheinigen Gründen - erhöht.
Unsere Super-AlltagsheldInnen sind Leute wie du und ich.
Sie haben keine Radaraugen, können nicht fliegen und eigentlich trägt auch keineR von ihnen blaue enganliegende Anzüge, höchsten zu Fasching vielleicht....
Ziemlich alltäglich also und mehr oder weniger alltäglich sind auch ihre Sorgen und ihr Ärger. Jeder kennt dieses ätzende kryptonische Gefühl, wenn schon wieder 150 € für die Monatskarte gelatzt werden muss, wenn die Behörden einfach nur nerven... und die Geschichten von Fanus und Anette sind leider auch alltäglicher als man denkt. Nicht so alltäglich ist aber ihr Style mit so was umzugehen. Denn alle sagen: "Uns reicht's - nicht! Und versuchen mit kleinen Kniffen einen Bissen mehr abzubekommen vom großen Kuchen, immer ein Stückchen weiter in Richtung schönes Leben. Ihre Superkräfte heißen "Widerstandsgeist" und "Solidarität"...
Und was ist mir dir? Bist du auch eine Super-AlltagsheldIn? Was ärgert dich und wie gehst du damit um? Wann sagst du "Mir reicht's - nicht!" Bist du im nächsten Super-AlltagsheldInnen-Album dabei???